Jessica Pegula im Porträt: Die etwas andere Milliardärstochter - tennis MAGAZIN (2024)

Redaktion

Als beste amerikanische Tennisspielerin wird Jessica Pegula oft gefragt, warum sie sich den ganzen Stress eigentlich antut. Ihr Vater sei doch einer der reichsten US-Unternehmer. Weshalb sie gerade deswegen so gut spielt wie noch nie…

Text Victoria Moser

Dieser Beitrag ist in tennis MAGAZIN-Ausgabe 5/2023 erschienen.

Tennis und Football haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Das eine ist eine elegante Individual-, das andere eine aggressive Teamsportart. Beim einen gehört das Aufspringen des Balls zur Norm, beim anderen ist eine Bodenberührung – der Touchdown – eine Besonderheit. Doch es gibt eine Frau, die mit beiden Sportarten in Verbindung gebracht werden kann: Jessica Pegula, 29 Jahre alt und die derzeit beste amerikanische Tennisspielerin der Welt. Sie ist die Tochter des Buffalo Bills-Besitzers Terrance Pegula. Die Buffalo Bills sind ein American Football-Team der National Football League (NFL). Jessica Pegula, selbst glühender NFL-Fan, hat daher eine außergewöhnliche Geschichte.

Geboren in Buffalo (US-Bundesstaat New York), stand sie das erste Mal mit sieben Jahren auf dem Tennisplatz. Seit 2009 ist sie auf der Profitour unterwegs und gewann auf dem kleinen ITF-Circuit zunächst sieben Doppeltitel. Sie trainierte in den Einrichtungen des US-Verbandes in Boca Raton, Florida. Da ihre Familie sie finanziell unterstützte, benötigte sie keine Stipendien, auf die andere aufstrebende Spieler und Spielerinnen normalerweise angewiesen sind.

Jessica Pegula: „Wusste nicht, ob ich zurückkommen möchte“

Ihre „richtige“ Karriere, die mit ihrem WTA-Debüt in Indian Wells 2012 begann, musste sie wegen Verletzungen immer wieder unterbrechen. 2014 hatte sie eine Knieoperation und Anfang 2017 unterzog sie sich einer Hüftarthroskopie. Deswegen hatte Pegula zwischenzeitlich schon daran gedacht, Tennis aufzugeben. „Die letzte Operation, meine Hüfte, war definitiv die schwerste, die ich überstanden habe. Ich wusste nicht einmal, ob ich zurückkommen möchte. Ich habe mich dann irgendwie durchgekämpft“, sagt sie. Ihr ehemaliger Trainer Michael Joyce kommentierte: „Sie war zweimal auf dem Weg nach oben und musste zweimal von vorne anfangen“.

Während Pegula 2014 wegen ihrer Verletzungen nur ein einziges Profimatch bestreiten konnte, tätigte ihr Vater Terrence ein beachtliches Geschäft. Der Amerikaner gründete 1983 ein Erdgasunternehmen, das er in den 2010er-Jahren für 5,8 Milliarden US-Dollar verkaufte. Auf der Forbes-Liste, die die wohlhabendsten Amerikaner aufführt, liegt er mit einem Vermögen von 6,7 Milliarden auf Platz 128. Aber nicht nur im Rohstoff- und Immobiliengeschäft ist „Terry“ Pegula tätig. 2011 erwarb er – zusammen mit seiner Frau Kim – das US-amerikanische Eishockeyteam der Buffalo Sabres.

Mit im Deal einbegriffen war das Lacrosse-Team der Buffalo Bandits. Dazu inspiriert hatte ihn seine Tochter Jessica. Sie schwärmte in ihren Jugendjahren für Sidney Crosby, Eishockeystürmer bei den Pittsburgh Penguins, und so flammte auch das Interesse von Terrence am Eishockey wieder auf. Mit dem Geld, das ihm der Verkauf seines Erdgasunternehmens einbrachte, kaufte er schließlich 2014 zusammen mit seiner Frau das NFL-Team der Buffalo Bills. Bei diesem Deal setzte er sich gegen die Mitinteressenten Donald Trump und Jon Bon Jovi durch.

Jessica Pegulas Liebe zu Hunden

Der Aufstieg seiner Tochter vollzog sich ein wenig später. 2018 erreichte Jessica Pegula ihr erstes WTA-Finale. 2019 folgte ihr erster WTA-Titel in Washington. Vor dem Turnier entschied sie sich, David Witt als neuen Trainer einzustellen. Witt, der jahrelang mit Venus Williams zusammengearbeitet hatte und bis heute Pegula betreut, sagt über seinen Schützling: „Sie ist ein bodenständiger, echter Mensch und sie arbeitet wirklich hart. Man kommt gut mit ihr aus.“ Durch Witt bekam Pegula das Selbstvertrauen, jede andere Spielerin der Welt schlagen zu können. Die Saison 2019 beendete sie erstmals in den Top 100.

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TIERLIEB: 2021 heiratete sie Taylor Gahagen. Mit dabei: die drei Hunde Tucker, Maddie und Dexter (v.l.n.r.).Bild: Privat

2021 schaffte sie schließlich ihren Durchbruch: Sie besiegte sieben Top-10-Spielerinnen und beendete das Jahr als Nummer 18 der Welt – nur der große Titel fehlte noch. Im selben Jahr heiratete sie ihren langjährigen Freund Taylor Gahagen im Herrenhaus von Biltmore, einem prunkvollen Anwesen in North Carolina. Gahagen war sieben Jahre leitender Angestellter von „Pegula Sports and Entertainment“, einer Firma aus dem Pegula-Imperium. Im Moment arbeitet Gahagen im Marketing für das NHL-Eishockeyteam der Buffalo Sabres. Pegulas Mann ist außerdem Mitbegründer der Tierschutzorganisation „A Lending Paw”, die Hunde rettet, zu Assistenzhunden ausbildet und weitervermittelt. Pegula und ihr Mann sind große Hundefans und halten selbst drei. „Sie sind wie drei Kinder mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten“, beschreibt Pegula ihre Hunde Tucker, Maddie und Dexter.

Die schwierigste Phase im Leben von Jessica Pegula

Über ihre Mutter Kim konnten Tennisfans Anfang des Jahres in einem emotionalen Artikel von Jessica Pegula mehr erfahren. Sie stammt aus Südkorea und wurde mit fünf Jahren von einem amerikanischen Paar adoptiert. Sie ist die Präsidentin der beiden großen Sportteams, die sich im Familienbesitz befinden, sowie Geschäftsführerin von „Pegula Sports and Entertainment“ und hegt den Wunsch, dass ihre Tochter Jessica die Firma nach ihrer Tenniskarriere übernimmt. In dem Artikel, der auf der Web-Plattform The Player´s Tribune erschien, schrieb Pegula über den Gesundheitszustand ihrer Mutter.

Im Juni 2022 erlitt Kim Pegula einen Herzstillstand. Jessicas Schwester Kelly hatte sie mit einer Wiederbelebung gerettet, bis sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Nach dem Vorfall lebte die Familie zwei Wochen lang im Krankenhaus. Es war frustrierend für alle, weil unklar war, wie lange das Gehirn der Mutter ohne Sauerstoff auskommen musste. Pegulas Mutter überlebte, hat aber noch mit einer expressiven Aphasie zu kämpfen. Sie hat Schwierigkeiten, sich zu artikulieren und leidet an Gedächtnisproblemen.

„Sie kann ziemlich gut lesen, -schreiben und verstehen, aber es fällt ihr schwer, die richtigen Worte zu finden, um zu antworten“, beschrieb Pegula den Zustand ihrer Mutter. Die behandelnden Ärzte seien dennoch überrascht von ihrem Fortschritt. Jessica Pegula und ihre Familie sind unglaublich dankbar, dass sie ihre Mutter und Ehefrau nicht verloren haben. Rückblickend ist diese Zeit für die Weltranglistendritte die schwierigste Phase ihres Lebens gewesen.Pegula fragte sich, ob sie früher als geplant ihre Tenniskarriere beenden sollte. Freunde sagten zu ihr: „Ich weiß nicht, wie du dieses Jahr überstanden, geschweige denn auch noch als Nummer drei der Welt abgeschlossen hast.“

Jessica Pegula: „Bin eine eigenständige Tennisspielerin“

Die Nahtoderfahrung der Mutter hat die Pegula-Familie noch näher zusammenrücken lassen. Allerdings war der Familiengedanke bei Jessica und ihren vier Geschwistern schon immer stark ausgeprägt. Eine Tugend, die ihnen die Eltern mit auf den Weg gaben, war Bescheidenheit. Vielen, die aus einem so wohlhabenden Haus wie Jessica Pegula stammen, merkt man dies an. Pegula nicht. „Ich habe vielleicht versucht, es ein wenig zu verbergen“, räumte sie einmal in Bezug auf den Reichtum ihrer Familie ein.

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Nachdem sie ihren Hintergrund jedoch akzeptiert hatte und ihr klar wurde, dass sie unabhängig von ihren Eltern hart arbeitet, kann sie ihre Vergangenheit wertschätzen. Auf die Frage, warum sie überhaupt eine professionelle Tenniskarriere verfolge, antwortete sie: „Ich war immer ehrgeizig, schon vor dem ganzen Geld meiner Eltern.“ Und: „Ich bin nicht nur die Tochter eines reichen Vaters, ich bin eine eigenständige Tennisspielerin.“

Pegula findet, dass sie eine Verantwortung dafür trage, ihren Vorteilen gerecht zu werden: „Ich habe diese unglaubliche Chance bekommen. Warum sollte ich sie nicht wahrnehmen, wenn ich wirklich liebe, was ich mache? Ich habe mir das Leben, das ich führen sollte, nicht ausgesucht. Man wird gewissenmaßen hineingeboren. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht.“ Sie merkt aber auch, dass sie aufgrund ihres Hintergrunds weniger Fans hat und die Zuschauer sie nicht so unterstützen wie andere Spielerinnen. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute nicht mit mir mitfiebern wollen, weil es bei mir keine märchenhafte Erzählung, keine Cinderella-Story gibt“, erklärt sie.

Jessica Pegula: Zur Unabhängigkeit erzogen

Schon während ihrer Jugendkarriere verzichtete sie so weit wie möglich auf die Unterstützung ihrer Familie. Sie reiste alleine von Turnier zu Turnier, übernachtete mit anderen Spielern in billigen Unterkünften und sparte ihr Preisgeld. Dabei verpasste Jessica Pegula auch Geburtstage, Feiertage und Familienfeiern. Ihre Mutter Kim sagt dazu: „Wir haben alle unsere Kinder zur Unabhängigkeit erzogen.“

Ihr Vater und die Familie unterstützen Jessica auf ihre eigene Art: „Er sagt mir: ‚Gute Arbeit‘. Er erzählt mir gerne seine kurze Zusammenfassung des Spiels oder was die Gegnerin gemacht hat.“ Bis jetzt war er nicht in der Box der Amerikanerin zu sehen, weil es für ihn stressfreier sei, die Matches von zuhause aus zu verfolgen.

2022 gewann Jessica Pegula in Guadalajara nicht nur den zweiten und bislang größten WTA-Titel ihrer Karriere, sondern konnte sich auch für die WTA-Finals in Fort Worth qualifizieren. Und das nicht nur im Einzel, sondern auch im Doppel mit Coco Gauff. Damit war sie die erste Amerikanerin, die sich für die WTA-Finals doppelt qualifizierte seit den Williams-Schwestern 2009. Außerdem kam sie bei drei Grand Slam-Turnieren bis ins Viertelfinale, die sie alle gegen die spätere Turniersiegerin verlor. Mit insgesamt 79 Siegen 2022 auf der WTA-Tour (43 im Einzel, 36 im Doppel) gewann sie so häufig auf der Tour wie kein anderer Profi. Insgesamt absolvierte sie 2022 113 Matches – Rekordwert auf WTA- und ATP-Tour. Mit Rang drei in der Weltrangliste erreichte sie im Oktober 2022 ihr höchstes Ranking, das sie bis heute gehalten hat.

Jessica Pegula ruht in sich

Das Außergewöhnliche an Pegula ist, dass sie bei fast jedem Turnier Einzel und Doppel spielt – aktuell mit Coco Gauff. An der Seite der 19-Jährigen konnte sie bereits vier Titel gewinnen. Pegulas höchste Platzierung im Doppel-Ranking war die Nummer drei. Aktuell steht sie auf Rang fünf. Über die zehn Jahre jüngere Gauff sagt sie: „Es macht großen Spaß, mit ihr Doppel zu spielen. Ich glaube, wir sind ein bisschen gegensätzlich, aber das ist der Grund, warum wir so gut zusammenpassen.“ Während Pegula den Ruhepol in der Konstellation einnimmt, bringt Gauff die großen Gefühlsausbrüche auf den Platz.

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Auch im Doppel Weltklasse: Mit Coco Gauff (re.) konnte Pegula schon vier WTA-Titel ­holen. Die beiden ­ergänzen sich auf dem Court perfekt.Bild: Getty Images

Aber Pegula ist nicht nur etwas in sich gekehrter, sie besitzt auch einen feinen Humor. Nachdem sie neulich beim WTA- 1000er-Turnier in Dubai im Halbfinale mit 1:6, 7:5, 0:6 gegen die spätere Turniergewinnerin Barbora Krejcikova ausschied, sandte sie einen amüsanten Tweet ab. „Alle: ‚Wie ist es, auf der Tour zu spielen? Es muss so toll sein!‘ Ich: ‚Bekomme ein 0:6 im dritten Satz an meinem Geburtstag, sitze hier und esse Doritos um Mitternacht, während ich auf meinen 16-Stunden-Flug nach Hause warte.‘“ Unterlegt hatte sie den kurzen Text mit einem Selfie von sich – ungeschminkt, mit wilden Haaren und großer Chipstüte vor dem Gesicht.

Auf dem Court zeichnet sich Pegula durch ihr tolles Timing, solide Grundschläge und ein gutes Gespür für Taktik aus. Ihrem Temperament entsprechend bleibt sie während ihrer Matches meistens ruhig. „Das hat mich immer wahnsinnig gemacht“, sagt ihr Ex-Trainer Michael Joyce. „Sie konnte ein ganzes Turnier überstehen, ohne sich einmal die Faust zu geben.“ In einer Sportart, die extrem wettbewerbs- und erfolgsorientiert ist, kann ihr diese Gelassenheit allerdings auch weiterhelfen. Pegula sagt über sich selbst, dass sie gut darin sei, die Probleme, mit denen sie auf dem Tennisplatz konfrontiert ist, „zu lösen“. Tatsächlich gelangen ihr immer wieder Siege, die man ihr aufgrund ihres eher unspektakulären Stils nicht unbedingt zugetraut hätte.

Mit einem halben Liter Bier in der Pressekonferenz

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FRUSTBIER: Pegula bei den US Open 2022.Bild: Getty Images

Doch bei aller Konstanz, die ihr Spiel auszeichnet: Es fehlt noch der große Höhepunkt. Gut erkennbar wird das bei ihren Grand Slam-Resultaten. Sie stand insgesamt fünfmal in einem Grand Slam-Viertelfinale – und gewann davon kein einziges. „Es nervt nur noch“, sagte sie 2022 bei den US Open, als sie in der Runde der -letzten Acht gegen Iga Swiatek rausflog. Nach der Niederlage legte sie einen legendären Auftritt vor der Presse hin. Pegula setzte sich mit einer Halbliter-Dose Bier vor die Mikrofone der Journalisten, nahm einen Schluck nach dem anderen und beantwortete mit einer Seelenruhe die Fragen. Als sich jemand nach dem Bier erkundigte, sagte sie: „Ich brauche es, um für die Dopingprobe zu pinkeln. Und es hilft, um über die Niederlage hinwegzukommen.“ Sie ist eben eine etwas andere Milliardärstochter.

Vita Jessica Pegula

Die US-Amerikanerin, 29, spielt seit ihrem siebten ­Lebensjahr Tennis. Ihre Karriere wurde häufig durch Verletzungen unterbrochen. 2021 hatte sie mit dem Erreichen ihres ersten Major-Viertelfinals bei den Australian Open ihren Durchbruch. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre Hautpflege-Reihe „Ready 24“. Nach ihrer Karriere wäre für sie der Job als Geschäftsführerin denkbar. Ihr größter Erfolg bislang war der Sieg beim WTA-1000er-Turnier in Guadalajara 2022 (s. Foto rechts). Auf dem Weg zum Titel besiegte sie vier Grand Slam-Champions. Beste Weltranglistenplatzierung: 3 (Stand: März 2023).men’s jordan retro release dates | cheap air jordans 1 high

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